MAGPlan Hintergrund



Rund 75% des Europäischen Trinkwassers wird aus Grundwasserressourcen bezogen. Dies zeigt den enormen Stellenwert dieses Naturproduktes in Bezug auf unsere zukünftige Lebensqualität. Die Affinität zum Grundwasser ist in Stuttgart besonders stark ausgeprägt, da die Stadt über Europas zweitgrößtes Mineralwasservorkommen verfügt.
Im Stadtgebiet von Stuttgart ist das Grundwasser erheblich durch anthropogene Stoffe verunreinigt. Großflächige Verunreinigungen insbesondere durch leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe (LCKW) erstrecken sich über mehrere Grundwasserstockwerke (Quartär und Keuperschichten) und erreichen auch auf das tiefe Mineralwasserstockwerk im Oberen Muschelkalk, dem in Bad Cannstatt und Berg die Mineralquellen entspringen.
Durch ihren ehemals weit verbreiteten Einsatz und die schlechte biologische Abbaubarkeit der LCKW konnten sich insbesondere in städtischen und industriell geprägten Gebieten zum Teil weiträumige Grundwasserschäden bilden, deren Fahnen oft noch Kilometer von der Eintragstelle entfernt aufzuspüren sind. Für Trendprognosen und für die Entwicklung von Sanierungskonzepten müssen diese großräumigen Verunreinigungen identifiziert und beschrieben werden.
Die Untersuchung der LCKW-Schäden in Stuttgart begann unmittelbar, nachdem die Schadstoffe im Herbst 1983 in den Mineralquellen nachgewiesen wurden. Mit dem zwischenzeitlich erarbeiteten regionalen hydrogeologischen Kenntnisstand über Strömungsverhältnisse und Dynamik des Gesamtsystems kann als gesichert gelten, dass der Schadstoffeintrag in das Quellsystem vorwiegend im Talkessel der dicht bebauten Stuttgarter Innenstadt und dessen Randbereichen erfolgte bzw. nach wie vor erfolgt.
Im Projektgebiet waren 806 potenzielle LCKW-Schadstoffeintragstellen bekannt, von denen vor Projektstart lediglich 101 Standorte untersucht und beurteilt waren. An einigen Standorten konnten im Grundwasser LCKW-Schadstoffkonzentrationen von über 1.000 µg/l nachgewiesen werden. Dies entspricht einer Überschreitung des gesetzlichen Prüfwertes um das mehr als 100-fache.
Trotz der umfangreichen Untersuchungen an ausgewählten Standorten, die insbesondere die oberflächennahen Grundwasserleiter umfassten, sowie punktueller Grundwassersanierungsmaßnahmen, bestanden zu Beginn des MAGPlan-Projektes noch erhebliche Kenntnisdefizite in weiten Teilen des Innenstadtgebietes. Im Hinblick auf den tiefen Grundwasserleiter im Oberen Muschelkalk, der den Hauptgrundwasserleiter des Mineralwassersystems bildet, waren die Eintragstellen sowie die Transportpfade von LCKW weitgehend ungeklärt.
Eine schrittweise Abarbeitung der 705 noch nicht untersuchten LCKW-verdächtigen Standorte hätte mindestens 6 Mio. EUR gekostet und wäre unverhältnismäßig langwierig gewesen. Daher wurde die in den Projekten INCORE , MAGIC und FOKS eine integrale Grundwasseruntersuchungsstrategie entwickelt, um die für die Grundwasserqualität relevanten LCKW-Eintragsstellen ohne die aufwändige Einzeluntersuchung der Einzelstandorte identifizieren zu können.